Fahrtenbericht

Ardèche 2oo5 - Ein Fahrtenbericht von Michael Fröhlich

Es war Sonntagmorgen gegen 06.20 als sich die Drei vom HKCW auf eine lange Tour in die Cevennen an die Ardèche auf machten. Doch es war kein gewöhnlicher Sonntagmorgen, nein es war Ostersonntag. Und die drei, welche die Reise antreten sollten waren keine gewöhnlichen Drei nein, es waren Robin, Tobi und Michi.
Mit voll bepacktem Golf, der hinten so ca. 10 Zentimeter tiefer hing als vorne, erreichten sie nach einer chilligen Fahrt, welche durch zahlreiche Pinkelstops unterbrochen wurde, gegen 1600 den Campingplatz la Chapoulière an der Ardèche. Obwohl Michi dem Navi gegenüber ziemlich misstrauisch eingestellt war brachte er uns die letzten 30 km ohne Umwege ans Ziel.
Hattersheim befand sich bereits vor Ort, sie hielten eine spätnachmittagliche geheime Vereinskonferenz ab, welche sie vergeblich als Kaffeekranz zu tarnen versuchten, doch die HKCW Spitzel Olaf und Anette hatten sich bereits erfolgreich in die Gruppe eingeschleust.

Der erste Missionstag sollte die Gruppe bereits am frühen Morgen vor eine schwere Aufgabe stellen. Wie beschafft man sich Bier am Ostermontag, wenn alle Geschäfte geschlossen haben. Die Nervosität stieg ins Unermessliche, als sich auf dem weg nach Balazuc, dem ersten Missionsziel, doch noch ein geöffneter Supermarkt finden lies. Mit zwei Paketen Shilbräu für den Abend konnte sich die Gruppe nun beruhigt auf die Mission konzentrieren.
Von Balazuc ausgehend, einem Ort welcher sich selbst als einer der schönsten Frankreichs ausgibt, ging es auf der Ardèche wieder in Richtung la Chapoulière. Der Fluss sollte aber noch einige Überraschungen bereithalten. Denn der Wasserstand war alles andere als zufriedenstellend. Die riesigen und häufig auftretenden Steinfelder, welche nur mit ca. zehn Zentimeter Wasser betüpfeld waren kosteten an diesem Tag die meiste Kraft. Die Landschaft konnte dann aber doch einige Mühen vergessen lassen. Neben einigen neu entdeckten Flatwaterplayspots zeigten Robin und Michi noch Scharen von schaulustigen nix drauf habenden Paddlern wie man vorwärts und rückwärts mit einem Kajak von einem drei vier Meter hohem Felsen runter hüppt.

Die zweite Mission. Einen Tag vor dem Tag danach beschickten sich unsere Helden zusammen mit Jörg und Olaf die Tarn zu rocken. Schon der Weg zur Tarn war abenteuerlicher gewesen als es vielen anderen Leuten recht gewesen wäre. Jörg nutzte die Nichtanwesenheit seiner Familie um zum einen Pink Floyd zu hören und zum anderen um die 100 abenteuerlichen km ziemlich schmaler unübersichtlicher Gebirgsstrassen mit einem Tempo zu fahren, bei welchem eine seiner Töchter die gesamte Strecke über mit Kotzen verbracht hätte. Der erste Teil der Tarn erinnerte stark an den oberen Teil der Ardèche, nur das sich die Gruppe hier über etwas größere Steine schieben musste. Nach anfänglichen Zweifeln konnte der Fluss dann doch noch überzeugen. Sowohl von komödiantischer Seite als auch von fahrtechnischer Seite aus. So schaffte es Tobi sein Paddel in einer schmalen Stromschnelle recht weit über der Wasseroberfläche zwischen Fels und anderem Ufer einzuklemmen. Nachdem Michi das Paddel aus dieser pikanten Situation befreit hatte kamen eins nach dem andern die Wildwasserstellen, welche mit einem Schwierigkeitsgrad von III – IV zu begeistern wussten. An diesem Tag wurde bewiesen das die Tarn, welche mit einem Pegel von 2 m empfohlen wird, auch mit 1,60 m noch befahrbar ist.

Der dritte Missionstag, einen Tag nach dem letzten Tag vor diesem Tag.
Missionsparameter: lange schlafen, ein Kajak einfach mal ein Kajak sein lassen und die Umgebung etwas erkunden. Das soll jetzt nicht heißen dass die Drei Undercoveragenten faul gewesen waren. Nein, ganz im Gegenteil. Schon vor dem Mittagessen wurde an der am Campingplatz gelegenen kleinen Stromschnelle ein ziemlich respektables Kehrwasser gebaut und ein wenig Wurfsackaction betrieben. Der erste Teil des Mittags wurde genutzt um zu einer verlassenen Stadt auf einen Berg hoch zu laufen und ein wenig Thymian und Rosmarin zu sammeln. Auf dem Weg zur verlassenen Stadt lies sich noch eine kleine Quelle begutachten, bei der einem einmal mehr vor Augen geführt wurde wie versifft doch Main und Nidda sind in anbetracht solch kristallklarem Wassers. Die zweite Mittagshälfte, man könnte sozusagen auch sagen der späte Nachmittag, wurde dazu verwendet um bei der UNION DES VIGNEROS DES COTEAUX DE L`ARDECHE Wein zu verköstigen. Ziemlich direkt im Anschluss an die Weinprobe, also zwei kurven nach dem Verlassen des Parkplatzes, hatte die Gruppe ihre erste und auch einzige Begegnung mit der Gendarmerie gemacht. Robin versuchte in diesem Zusammenhang den zwei Beamten zu erklären wie er es fertig gebracht hatte eine Flasche Rotwein und eine Flasche Weißwein, die Flasche Rose hatte wie ein Wunder überlebt, in der besagten zweiten Kurve zu zertrümmern. Wer näheres wissen möchte sollte sich an Robin wenden. An diesem Abend sollte sich noch ein weiteres HKCW Mitglied zu den lustigen Drei gesellen. Lisa War mit ihrem Vater in derselben Gegend unterwegs und schaute mal vorbei.

Die vierte Mission, einen Tag nach dem Tag bei dem Übermorgen die Heimreise angetreten werden sollte. Dies sollte der anstrengenste aber auch Landschaftlich schönste Tag werden. Die Drei machten sich zusammen mit Olaf, der Hattersheim-Crew Jörg, Roland, Udo und der Sauerland-Crew auf um 10.45 die große Ardèche Tour anzutreten. Angefangen beim Pont-d`Arc, das große loch im Stein wo die Ardèche durchplätschern tut, machte sich die Konnektion auf den weg durch den Canion bis nach St`Martin. Die Ardèche erwies sich dabei als abwechslungsreicher als zunächst erwartet. So wurde die lange Strecke mit der Atemberaubenden Landschaft von Zahlreichen Playspots unterbrochen an denen es sich teils sehr gut surfen lies. Sogar eine kleine Höhlentour war mit dem Kajak möglich. Die erwartete Mittagessen-Kenter-Gaudi am Hackmesser viel leider wegen zu wenig Leihbootfahrern aus. Um 16.30 konnte dann endlich der Sportdress gegen den Freizeitdress gewechselt werden. Ein spontaner Besuch bei Siggi war leider vergebens, da er gerade seine Töchter zum Flughafen brachte. An diesem Abend kehrten die Drei dem Dosenfutter die kalte Schulter zu und nahmen erstmals warme Festnahrung in Form von Steaks, Würstchen und Salat zu sich. Sogar die „Grüne-Sosse“ Kräuterbutter wusste zu überzeugen.

Fünf Tage nachdem alle bereits wussten dass dieser Tag heute kommen sollte, verlies der HKCW die Ardèche. Die Trauer war groß, nicht beim HKCW, nein. Bei den Hattersheimern die nicht wussten wie sie ohne einen so großartigen Verein die restlichen Ferientage sinnvoll verbringen sollten, bei den Einheimischen die auf dem Rückweg durch die Dörfer die Straßen säumten, Blumen vor das Auto warfen und dem HKCW zu ehren Lämmer opferten und natürlich bei der Ardèche, die vor lauter Trauer ihr gesamtes Wasser weg weinte.

Hier noch einige Fakten und Sprüche:

- 110 Flaschen 0,25 l Bier
- ca. 1950 km mit dem Auto zurück gelegt
- ca. 46 km mit dem Kajak zurück gelegt
- 11 0,5 l Dosenfutter vertilgt
- ein Kehrwasser gebaut
- die Wildwasserstellen der Tarn neu benannt: 1. die Ehefrau, erst quetscht sie dich dann zieht sie dich runter; 2. die enge Else; 3. die Edelsalami
- Pistaches Action
- Tobi ist der beste Thymianausreißer in da hood, aber beschwert sich über Samen im Bier, Zitat: „Na hallo, das geht echt nicht.“
- „Formel-1 der Lkws auf französischen Autobahnen, gestörtes Verhalten“, Zitat Tobi